Freitag, 19. Oktober 2012

#188 Buchmesse Bericht

Am Donnerstag war ich wie schon angekündigt auf der Frankfurter Buchmesse, um mich bei Verlagen vorzustellen. Anfang September hatte ich mich erkundigt, wann die Illustratoren-Sprechstunden stattfinden und konnte mir daher einen Plan machen. Will man persönliche Termine mit den Lektoren, sollte man noch früher anfragen, am besten schon im Juli oder August.

Hier ein paar Bilder von meiner Mappe und einige Arbeiten daraus:



Die Reaktionen auf meine Arbeiten waren allerdings eher ernüchternd. Ich war bei ca. 8-9 Verlagen und fast jeder meinte, mein Stil passe nicht zu ihnen. Ein Hauptgrund, der öfter genannt wurde, ist das Comichafte der Figuren (zu große Augen, zu überzeichnete Mimik und Gestik, zu extreme Proportionen,...). Die deutsche Kinderbuchszene scheint da ziemlich genau zu sein. Mit den klassischen Punktaugen und halbwegs realistische Proportionen kann man fast nichts falsch machen. Gut zu wissen; das sind Dinge, die man leicht verändern kann :)
Weitere Gründe waren: zu digital (=kühl); Elfen und rosa passen nicht zu uns; wir suchen eher was für kleinere Kinder (0-6).

Die Mappendurchsicht dauerte jeweils ein paar Minuten, ein paar Worte wurden gewechselt und evt. Visitenkarten ausgetauscht. Die Lektoren waren alle sehr freundlich und haben sich die Mappen geduldig angeschaut. Ich bin mir nicht sicher, inwiefern die Urteile letztendlich zählen. Es ist echt schwierig, genau die richtigen Arbeiten dem richtigen Verlag vorzulegen. Es kann sein, dass man nur ein Element in einem Bild verändern muss, damit es ankommt. Das war jedenfalls mein Eindruck.

Trotzdem mache ich natürlich weiter und versuche die Kritik umzusetzen :)

Hier noch ein paar Gedanken:

Portfolio/Mappe: Die meisten Illustratoren hatten eine schwarze Mappe mit Klarsichtfolien dabei. Ich hatte einige Exemplare gedruckt (siehe oben), um sie den Lektoren mitzugeben, bin aber nur eine einzige Mappe losgeworden. Fazit: Lieber eine einzige Mappe machen, das ist kostengünstiger und leichter zu tragen.

Visitenkarten: Hatte ich leider keine aktuellen dabei. Will ich aber fürs nächste Mal machen. Statt eine ganze Mappe mitzugeben, reicht auch eine Visitenkarte oder eine Art Mini-Portfolio (Postkarte oder Ähnliches) mit Kontaktdaten drauf.

Was zählt: Die Arbeiten allein zählen. Das war zumindest mein Eindruck. Wer ihr seid, welchen Abschluss ihr habt, wo ihr herkommt oder ähnliches ist in dem Moment völlig egal. Wenn eure Arbeiten gefallen, seid ihr quasi schon dabei.

Ich hoffe, ich konnte euch einen kleinen Einblick gewinnen! Das erste Mal ist immer spannend und hilft einem weiterzukommen.

Kommentare:

  1. Den Satz "Der Stil passt nicht zu unserem Verlag" wirst du leider immer wieder hören. Vielleicht könntest du dich ja mit einem Literaturagenten in Verbindung setzen, der die Lage bei den Verlagen für dich sondiert. Als Neuling hast du nämlich kaum eine Chance, in die (großen) Verlage reinzukommen - es sei denn, mit sehr, sehr viel Glück.

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  2. Also,zu so einer schwarzen DIN A4 oder A3 Mappe mit Klarsichtfolien würde ich dir auf jeden Fall auch raten.Das scheint so der Standart zu sein und ist auch am besten für die Lektoren durchzublättern! Leider sind die Dinger recht teuer,ich hab mir letztens so ein DIN A4 Ding für 25Euro geholt und das war auch schon echt das billigste was ich finden konnte. Aber es wirkt auch halt alles einfach besser.
    Ich weiß nicht ob du das hattest,aber auch gut ist es wenn du ein Kinderbuchprojekt zum zeigen hast,muss garnicht das ganze Buch sein,reichen ein paar Probeseiten und Skizzen wies weitergehen könnte,Storyboard,Characterdesign,etc. Ich hatte letztes Semester so ein Kinderbuchprojekt gemacht und das kam auf der Messe eigentlich ganz gut an.(gut,ich war jetzt nur bei 3 Verlagen,hatte mich nämlich nicht so gut vorbereitet und hatte keine Ahnung wann Sprechstunden etc sind ;))
    Und ja,Visitenkarten sind sehr wichtig!Ich hatte die auch erst last minute am Abend vorher gemacht und war dann froh drüber,denn die werden dann immer wieder nachgefragt.
    Schade,dass die Reaktionen bei dir nich so gut waren,ich finde nämlich die Sachen hier sehr sehr schön! Aber das ist wohl auch das Problem bei den deutschen Verlagen,die wollen auf keinen Fall irgendwie manga-oder comicmäßiges drin haben.. Wenn deine Fremdsprachenkenntnisse dafür ausreichend sind könntest dus aber vielleicht auch mal bei französischen Verlagen versuchen,ich denke da würde dein Stil super hinpassen,die haben keine Angst vor Comic/Mangaeinfluss ;) Gut dafür wäre wohl die Kinderbuchmesse in Bologna im März. Ich wünsch dir jedenfalls noch viel Erfolg!

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  3. Ich finds richtig richtig schade dass deine Illustrationen nicht so gut angekommen sind! Ich finde deine Arbeiten so wunderschön! und meine Freundin die gerade zu Besuch sind auch ;)
    Danken möchte ich dir für deinen Erfahrungsbericht! Falls ich irgendwann zur Buchmesse mit meinen Bildern gehe, weiß ich ja was zu tun ist.
    Weiterhin viel Erfolg wünscht dich Steffi Kunstknaeul

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  4. Was mich immer ein bisschen wundert, ist, dass die Verlagsleute so Kleinigkeiten im Stil gleich als Ausschlusskriterium verstehen, die man relativ leicht anpassen könnte. Das ist wahrscheinlich hauptsächlich ein Problem im deutschen Markt, weil kaum ein Verlag einen Art Director hat, der auch wirklich Ahnung von der Materie hat, sondern eben häufig die Lektoren entscheiden, die Illustrationen nur relativ oberflächlich beurteilen können, aber es ist eben wirklich ärgerlich.

    Ich würde an deiner Stelle vielleicht auch mal nach englischsprachigen Kinderbuchverlägen schauen und dich einfach per Mail bewerben. Häufig kommt bei beschäftigten Leuten zwar gar keine Antwort oder erst nach Monaten, aber man kann ja auch Glück haben :)

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  5. Ja, der deutsche Kinderbuchmarkt hat sehr genaue Vorstellungen. Teilweise ihr gutes Recht, teilweise etwas schade. Ich kenne das selber auch, man kann nur hoffen, dass man einen persönlichen Einschlag im Stil am Ende immer mitbringen kann, und nicht nur zum Klon von XY wird...

    Und meistens sind es auch nicht die Lektoren die alles einheitlich wollen (sie würden manchmal sogar lieber was gewagtes machen), sondern die Chef- und Marketing-Etage die immer vorherzusehen versucht, was der Kunde nun eigentlich am liebsten kauft.

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  6. Ach du, zu meiner schwarzen abgeranzten A3-Mappe mit den losen Drucken hat keiner was gesagt und ich sollte (trotzdem) mehr als genug Portfolios rausschicken. Darauf kommt's überhaupt nicht an, du musst dich nur gut präsentieren können bzw. selbstsicher verkaufen können und das kann man üben. Geb blos kein Geld für so ne schnieke Mappe aus und achte lieber darauf, dass die Drucke selbst richtig gut und farblich stimmig sind.

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